Wolle und Garne gibt es in unendlich vielen Qualitäten und Farben fertig zu kaufen. Trotzdem finden immer mehr Leute Gefallen daran, ihre Wolle selbst zu färben. Und das kann man gut nachvollziehen, denn viele Strickerinnen finden so eine weitere Möglichkeit, ihre Kreativität auszuleben und außerdem Projekte ganz nach ihren Vorstellungen zu gestalten.
Selbst zu färben ist ein kreativer Prozess, der entweder vollkommen frei und zufällig ablaufen kann, oder durch genaue Dokumentation und Übung reproduzierbare Ergebnisse schafft.
Selbst zu färben bedeutet uneingeschränkt selbst über das Ausgangsmaterial und damit auch die Eigenschaften und Farbigkeit der fertigen Wolle entscheiden zu können. Je nach Material und Zusammensetzung der Wolle ändert sich auch das Färbeverhalten.
Zum Färben kann man sowohl Rohwolle, die dann später versponnen wird, oder auch fertig gesponnenes Garn verwenden.
Rohwolle ist als Vlies (im ungekämmten, oft ungewaschenen Rohzustand) oder auch als Kammzug (fertig gekämmt, gewaschen) erhältlich. Während Kammzüge ohne weitere Vorbehandlung gefärbt werden können, müssen Vliese noch gesäubert und kardiert (gekämmt) werden.
Rohgarn wird genau wie Rohwolle in vielen Materialkombinationen verkauft. Jede verwendete Faser bringt ihre einzigartige Charakteristik ein, die unter Umständen auch das Färbeergebnis beeinflussen kann. So kann das Rohmaterial bereits eine leichte Grundfärbung mitbringen (z.B. bei grauen/beigen Schafsrassen, Kamel, Yak oder anderen tierischen Haaren die eine natürliche Pigmentierung aufweisen).
Verschiedene Wollarten nehmen außerdem die Pigmente verschieden gut auf. Während Seide und Alpaka oft etwas heller bleiben, nehmen Garne mit Superwash-Behandlung die Farbe besonders gut und schnell auf. Einige Wollsorten bringen von Natur aus einen besonderen Glanz in die fertige Wolle ein, während andere eher matt wirken können. Vor der Färbung größerer Mengen sollte deshalb eine Probefärbung erfolgen, um die besonderen Eigenschaften der jeweiligen Wolle zu ertesten.
Außerdem ist natürlich die Qualität des Ausgangsmaterials maßgeblich entscheidend für das fertige Produkt.
Rohwolle und Rohgarne können am einfachsten und schnellsten Online bestellt werden. Auch das nähere europäische Ausland, besonders England, ist eine gute Quelle für hochwertiges Rohmaterial.
Wolle und tierische Fasern können auf mehrere verschiedene Arten gefärbt werden. Um das Färben einmal im kleinen Umfang auszuprobieren, bietet sich das Färben mit Lebensmittelfarben, zum Beispiel Ostereierfarben, an. Dies eFarben sind ungiftig und ihr braucht nicht extra einen Topf zum FÄrben zu kaufen.
Auf professioneller Ebene verwendet man Säurefarben oder Naturstoffe zum färben tierischer Fasern. Im Gegensatz dazu verwendet man Reaktive Farben zum Färben von Baumwolle und anderen nicht-tierischen Fasern.
Lebensmittelfarben und Säurefarben werden auf eine ähnliche Art und Weise mit Wasser und Essig vermischt und unter Hitzeeinwirkung fixiert. Naturfarben, die aus Pflanzen oder anderen natürlichen Bestandteilen gewonnen werden, werden durch Beize und Hitze fixiert.
Im Folgenden konzentrieren wir uns auf das Färben mit Säurefarben. Bekannte Hersteller sind unter anderem Lanaset, Ashford, Jacquard und WashFast.
Die Farben können in Pigmentform, das heißt als Pulver, erworben werden. Aus dem Pigmentpulver und heißem Wasser wird eine Färbelösung hergestellt, die dann je nach Technik auf die Wolle aufgetragen wird.
Je nach gewünschtem Ergebnis können Wasser und Pigment in verschiedenen Verhältnissen gemischt werden, um das spätere Hantieren zu erleichtern. Am häufigsten wird ein Verhältnis von Wasser zu Pigmentpulver von 100:1 oder 100:2 verwendet. Ausschlaggebend für das Färbeergebnis ist jedoch nicht die Konzentration von Färbepulver im Wasser, sondern wie viel der fertigen Färbelösung pro Wollgewicht eingesetzt wird.
Je nach dem wie viel der Färbelösung pro 100g Wolle verwendet wird, wird das Ergebnis stark gesättigt oder eher pastellfarben.
Färbemittel, ob Säurefarben oder natürliche Farben, können ebenso wie die anderen Rohmaterialien über den Internetversand bestellt werden.
Eigentlich braucht man gar nicht viel, um loslegen zu können! Versichert euch aber, dass ihr die Umgebung vor umherspritzender Farblösung schützt, denn diese kann schwer zu entfernende Flecken verursachen. Falls ihr in der Küche färben wollt/müsst, ist durchsichtige Malerfolie aus dem Baumarkt eine praktische Lösung, die ihr über die Arbeitsfläche legt und mit Klebeband fixiert.
Und das braucht ihr außerdem:
Für den Beginn ist eine Ausstattung von vier Grundfarben (Primärfarben) nötig: ein klares gelb, ein leuchtendes Blau, ein reines rot und ein tiefes Schwarz. Aus diesen Komponenten kann jede gewünschte Mischfarbe erzeugt werden. Je nach Hersteller unterscheiden sich die Bezeichnungen der Farben. Wenn ihr euch nicht sicher seid, fragt den hersteller, welches die Primärfarben sind.
(hier folgen noch Informationen zu Färbetechniken)
Hier erklären wir, wie Wolle im Topf einfarbig durchgefärbt wird. Je nach dem wie viel Wasser und WOlle sich im Topf befindet, werden sehr gleichmäßige einfarbige Färbungen erzielt oder leicht in sich melierte Färbungen (bei viel Wolle im Topf, denn dann kann sich die Farbe nicht so gut überallhin verteilen).
Und so geht ihr vor:
Für das mehrfarbige Färben sind die ersten vier Schritte die gleichen wie oben.
Dnach könnt ihr verschiedene Techniken anwenden, um in mehreren Schritten verschiedene Farben auf die Wolle aufzutragen:
Bei allen mehrfarbigen Techniken gilt: Vorsicht, wenn zwei Farben aufeinander treffen! Wo sich gelb und blau treffen, wir die Wolle grün - wo sich blau und orange treffen, wird die Wolle braun! Beschäftigt euch mit der Farblehre, um herauszufinden, wie ihr die von euch gewünschten Farben produzieren könnt. Eine schöne Idee ist es, einmal mit den Primärfarben blau, rot und gelb herumzuprobieren und zu sehen, welch unendliche Anzahl an Schattierungen allein mit diesen Farben bei einmaligem Farbauftrag zu erreichen ist!
Natürlich könnt ihr die Techniken auch kombinieren.
Anbei eine grobe Kostenübersicht für das Färbeequipment. Natürlich musst du dir nicht gleich einen Slow Cooker / Crock Pot kaufen, du kannst auch mit normalen Kochgeschirr arbeiten. Ich finde es aber gut - wenn man das Färbeequipment klar vom Kochgeschirr trennt. Das ist hygienisch und gesünder.

In der Kostenplanung ist bereits sehr hochwertige Wolle mit 80 Euro das Kilo eingeplant. Sicher kannst auch mit günstigerer Wolle starten. Anstatt einen Slow Cookers könnt ihr auch mit einem alten (Flohmarkt)-Kochtopf starten.
Ich konnte dir hoffentlich einen Überblick bzw. Einstieg zum Färben von Wolle geben. Bei Fragen schreib mir einfach eine E-Mail.